Kategorie: Astronomie & Atmosphäre | Standort: Norsjö Observatory, Schweden
Während der Sommermonate auf der Nordhalbkugel bleibt der Himmel in den nördlichen Breitengraden oft zu hell für Polarlichter. Doch genau in dieser Zeit zeigt sich ein anderes, spektakuläres Himmelsphänomen: Leuchtende Nachtwolken (englisch: Noctilucent Clouds, kurz NLCs).
Vor Kurzem konnten wir am Norsjö Observatory wieder eine beeindruckende NLC-Aktivität beobachten und fotografisch dokumentieren.
NLCs sind die höchsten Wolken der Erde. Während normale Wetterwolken (Troposphäre) in maximal 10–12 km Höhe entstehen, befinden sich Leuchtende Nachtwolken in der Mesosphäre in ca. 80 bis 85 km Höhe – direkt an der Grenze zum Weltraum.
Sie bestehen aus winzigen Eiskristallen, die sich um kleinste Partikel bilden. Diese Keime stammen größtenteils von verglühten Meteoriten (Meteorenstaub), die täglich in die Erdatmosphäre eintreten.
Die Wolken leuchten nicht von selbst. Wenn es am Boden bereits stockdunkel ist, steht die Sonne kurz unter dem Horizont (zwischen 6°C und 16°C ). In 83 km Höhe wird die Sonnenstrahlung jedoch noch ungehindert reflektiert. Das Sonnenlicht trifft auf die Eiskristalle und wirft das charakteristische silbrige, blau-weiße Leuchten zur Erde zurück.
Obwohl es am Erdboden Sommer ist, herrscht in der Mesosphäre im Sommer die kälteste Phase des ganzen Jahres: Die Temperaturen fallen dort auf unter -120 °C. Nur bei diesen extremen Minusgraden kann das spärliche Wasserdampfvorkommen in dieser Höhe überhaupt gefrieren.
Die feinen, seidenartigen Wellen- und Netzstrukturen am Nord- und Nordwesthimmel verändern sich oft langsam über Minuten und Stunden.
Sichtbarkeitsfenster: Juni bis Anfang August.
Beste Uhrzeit: In den tiefsten Nachtstunden (oft zwischen 23:00 und 02:30 Uhr).
Ausrichtung: Blickrichtung Nord bis Nordwest, knapp über dem Horizont.
Stativ: Unverzichtbar für scharfe Aufnahmen (siehe Making-of).
Fokus: Manuell auf Unendlich (∞) oder auf einen hellen Stern ausrichten.
Belichtung: ISO 100–400, Blende f/2.8–f/4, Belichtungszeit ca. 1 bis 4 Sekunden. (Zu lange Belichtung lässt die feinen Strukturen verwischen).
Fazit: Während wir auf die Rückkehr der dunklen Nächte und der ersten Polarlichter der neuen Saison warten, bieten die leuchtenden Eiswolken an der Grenze zum Weltraum eine faszinierende Kulisse für jeden Nachtfotografen!